Das Palingenesis Investmentparadigma
Die alte Weltanschauung, mit der die Mehrheit der Investoren bewusst oder unbewusst lange Zeit gearbeitet hat, hat ausgedient. Sie ist weder in der Lage, die Herausforderungen, vor denen Investoren stehen, zu erklären, noch ist sie in der Lage, Investoren einen Weg in die Zukunft zu zeigen.
Anstelle des alten - linearen - Investmentparadigmas, schlagen wir ein neues - non-lineares - Investmentparadigma vor, dem wir den Namen Palingenesis (Neuschöpfung, Wiedergeburt) gegeben haben.
Nachfolgend gehen wir auf folgende Fragen ein:
- Wie lautet das Palingenesis Investmentparadigma?
- Wie unterscheidet es sich von dem alten linearen Investmentparadigma?
- Was bedeutet das Palingenesis Investmentparadigma für die Investmenttheorie?
- Wie kann das neue Investmentparadigma dazu beitragen, die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen zu verstehen?
Auf der Basis des Palingenesis Investmentparadigmas versuchen wir, eine Perspektive auf die aktuelle Entwicklung in der Welt, Wirtschaft und Politik zu bieten:
- Unser aktuelles Szenario der Wiedergeburt der Wirtschaft
- Was bedeutet das aktuelle Szenario der Wiedergeburt der Wirtschaft für die Investoren?
- Was bedeutet das aktuelle Szenario der Wiedergeburt der Wirtschaft für die Investmentstrategie?
- Paradigmenwechsel in der Investmentstrategie: Absolut versus relativ
- Palingenesis: die ununterbrochene Wiedergeburt der Wirtschaft
Wie lautet das Palingenesis Investmentparadigma?
Die Welt gebärt sich selbst immer wieder neu, und mit ihr die Wirtschaft und das Investmentuniversum.
Dies ist der Kern des Palingenesis Investmentparadigma. Neue Phasen werden geboren. Sie sind per Definition anders als die vorherige Phase. Die Zukunft ist nicht prognostizierbar. Daher geht die Geburt neuer Phasen mit hoher Unsicherheit, Turbulenzen und der Aufgabe alter Besitzstände einher. Es gibt für Investoren keine Möglichkeit der Rückkehr in die Geborgenheit der vorherigen Phase. Stattdessen besitzen Investoren die Möglichkeit, sich einer neuen Wiedergeburt der Welt zu nähern, so, wie ein Kind die Offenheit, Begeisterung und Flexibilität besitzt, um in einer für ihn neuen Welt zu wachsen und zu prosperieren.
Das Palingenesis Investmentparadigma hat Parallele zu Modellen aus der Biologie und theoretischen Physik. Die Biologie kennt Phasen in denen Einzeller, Dinosaurier, Säugetiere und Menschen dominant waren. Die Entstehung einer neuen Phase ist aus der alten Phase heraus schwer abzuleiten. Die theoretische Physik kennt als Gegensatz zum Urknall-Modell ein Modell, in dem das gesamte Universum zusammenschrumpft um aus sich heraus ein neues Universum zu gebären. Aus diesem Bereich wurde der Begriff Palingenesis für das neue Investmentparadigma übernommen.
Wie unterscheidet es sich von dem alten linearen Investmentparadigma?
Die neue Weltanschauung stellt die alte Weltanschauung auf den Kopf. Der fundamentale Unterschied liegt in dem Verständnis von Veränderungen.
In dem alten Investmentparadigma steht die Stabilität zentral. Abweichungen, wie Booms und Busts, Hausses und Crashes, sind als temporäre Abweichungen des linearen Pfads zu verstehen. Damit verbunden ist die Schlussfolgerung, dass die Abweichungen auf Dauer zu ihrem früheren Pfad der durchschnittlichen, linearen Entwicklung zurückkehren werden. Das Gleichgewicht ist der Standard, die Abweichung ist die Ausnahme. Deswegen kann die Zukunft vorhergesagt werden.
Im neuen Investmentparadigma steht die Veränderung zentral. Es gibt keinen linearen Pfad. Die Zukunft kann nicht vorhergesagt werden. Immer wieder entstehen überraschende Entwicklungen. Die Abweichung eines Standards gibt es nicht mehr, denn es gibt keinen Standard. Nicht der Trend, sondern der Trendbruch ist die entscheidende Entwicklung.
Was bedeutet das Palingenesis Investmentparadigma für die Investmenttheorie?
Vorübergehende Perioden des scheinbaren Gleichgewichts sind nur zufällig und täuschen. In Wirklichkeit finden die Entwicklungen in der Welt ununterbrochen statt. Dieses Prinzip lässt sich vergleichen mit unterschiedlichen Wellen (Bewegungen, Veränderungen), die aus unterschiedlichen Richtungen auf einander treffen. Manchmal gleichen die Wellen sich gegenseitig aus, wodurch ein Gefühl der Ruhe entsteht. Manchmal verstärken sie sich gegenseitig, wodurch ein Gefühl der Turbulenzen entsteht. Die zugrunde liegenden Kräfte, die wir als Investoren oft versuchen zu verstehen, wirken jedoch ununterbrochen.
Der Mensch neigt dazu, Stabilität zu suchen und Instabilität zu meiden. Weil das menschliche Hirn sich nach wiedererkennbaren Mustern sehnt, versucht es, die ununterbrochenen Entwicklungen in Zeiträume der scheinbaren Ruhe (Trend, Gleichgewicht, lineare Entwicklung) und Zeiträume der scheinbaren Unruhe (Trendbruch, Ungleichgewicht, non-lineare Entwicklung) zu gliedern.
Dabei besteht aufgrund der Präferenz für Stabilität der Bedarf, sogar unruhige Zeiten als ruhige Zeiten einzustufen. So lange, wie diese Selbsttäuschung auffliegt. Wir wissen, dass das Prinzip des Value-at-Risk viele Investoren in ihre eigene Finanzkrise geführt hat. Wir wissen, dass Indizes eine schlechte Allokation der Investitionen nach sich ziehen. Beide Prinzipien arbeiten aus dem Grundgedanken heraus, dass ein aktueller Zustand über einer Abweichung zu präferieren ist. Folglich wird viel zu lange an alten Positionierungen festgehalten. Erst nachdem die Selbsttäuschung aufgeflogen ist, kann eine späte Anpassung der Positionen an die verkannte Realität stattfinden. Dieses kann dann oft nur noch unter großen Turbulenzen stattfinden.
Nach dem Palingenesis Investmentparadigma könnte die Investmenttheorie umdenken, weg von der Wertschöpfung aus dem Umgang mit Stabilität, hin zu der Wertschöpfung aus dem Umgang mit Instabilität. Zu oft ist das Risikomanagement eine ex-post Betrachtung und auf das Einhalten von Risikogrenzen begrenzt. Menschen sind sehr schlecht im Umgang mit komplexen, schnellen und bedrohlichen Veränderungen. Im Risikomanagement schlummert ein großes Potenzial für die Wissenschaft. Der richtige Ansatz könnte sogar zur Auflösung des Risikomanagements führen. Denn, es könnte sein, dass ein ganzheitlicher Umgang mit Veränderungen nicht mehr zwischen Chancen und Risiken unterscheiden würden. Das Risikomanagement wäre ein zentraler und integrierter Bestandteil der eingesetzten Investmentlogik.
Wie kann das neue Investmentparadigma dazu beitragen, die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen zu verstehen?
Wir Menschen neigen dazu, neue Entwicklungen in bereits erlebte Muster einzuordnen. Dabei werden Muster aus der jüngsten Vergangenheit bevorzugt. Das Palingenesis Investmentparadigma ermutigt Investoren, eine andere, offenere Perspektive zu wählen. Weil es sehr schwer ist, Bekanntes auszublenden und völlig offen zu sein, kann es sehr sinnvoll sein, dem konservativen, linearen Szenario ein neues, radikaleres Szenario gegenüber zu setzen, das eine Rückkehr in die altbekannte Welt ausschließt.
Um dieses zu ermöglichen, kann die aktuelle Situation in Wirtschaft und Politik als einen Übergang in eine völlig neue Phase (Wiedergeburt) der Welt, Politik und Wirtschaft vorgestellt werden. Wie diese Phase aussehen wird, kann niemand genau vorhersagen. Wie Einstein gesagt hat, ist die Phantasie genau so wichtig wie die Fakten. Zur Anregung der Phantasie und zur gedanklichen Verdrängung des konservativen Szenarios werden wir unser Szenario vorübergehend als feste Überzeugung präsentieren.
Unser aktuelles Szenario zur ununterbrochenen Wiedergeburt der Wirtschaft
Wir befinden uns heute in einem Übergang zu einer neuen Phase. Die neue Phase könnte durchaus eine neue, weltweite Blütezeit bilden. Allerdings haben wir erst gerade damit angefangen, uns aus der alten Phase zu lösen. Der Übergang wird von Unruhe und Unsicherheit, sowie der Aufgabe von Besitzständen geprägt. Wir sind gezwungen, aber teilweise weigern wir uns noch, neue Wege zu suchen.
Die neue Phase wird aus einer multipolaren Welt bestehen. Nicht nur die USA, China und Europa werden eine wichtige Rolle spielen, sondern auch Länder wie Indien, Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko und die arabische Welt. Nicht nur Länder, sondern auch Kulturkreise werden sich verstärkt ausprägen. Nicht nur Arbeit und Vermögen werden wichtig sein, Nahrung, Rohstoffe, Umwelt, Information und Kommunikation werden an Bedeutung zunehmen.
Das große Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahrzehnte hat der Welt keine, wie in den siebziger Jahren durch den Club von Rom prophezeit, Katastrophe gebracht, sondern eine exponentielle Entwicklung, die in der Geschichte der Welt einzigartig war. Vor uns liegt eine Zeit noch schnelleren Bevölkerungswachstums. Sie muß nicht zwangsläufig in die Katastrophe führen, sondern könnte eine noch stärkere Blütezeit in die Wege leiten. Neue, große Bevölkerungsschichten werden sich bilden.
Vorerst jedoch wird die Unruhe, die zur Schöpfung der neuen Phase führen wird, dominieren. Weltweit steht ein großer Strukturwandel an. Große neue Mittelschichten bilden sich. Neue Machtverhältnisse entstehen. Die Politik muß in kurzer Zeit viele eingreifende Entscheidungen treffen.
Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass „richtige“ Entscheidungen getroffen werden, groß. Allerdings existiert eine mehrjährige Kette von Entscheidungen, welche zu treffen sind, sowie der politische Druck des kurzfristigen Erfolgs, möglicherweise zulasten des langfristig Richtigen. Aufgrund der Verkettung von Entscheidungen und der zunehmenden gegenseiteigen Abhängigkeit kann eine einzelne „falsche“ Entscheidung den Strukturwandel bereits gravierend gefährden.
Was bedeutet das aktuelle Szenario der Wiedergeburt der Wirtschaft für die Investoren?
Sicherheit
Die aus der traditionellen Perspektive gewohnte absolute Sicherheit der souveränen Assetklassen und Banken existiert nicht mehr. Vielmehr ist jede Assetklasse mit einem Risiko behaftet. Risikolose Assets existieren nicht mehr.
Werterhalt
Im Vergleich zu den aus traditioneller Sicht „risikolosen“ Anlagen, welche in der Vergangenheit Kapitalerhalt ermöglichten, aber heute nicht mehr, gehen die in Wirklichkeit sichereren Anlagen, welche eine höhere Wahrscheinlichkeit des Kapitalerhalts bieten, mit einer höheren Volatilität einher.
Risikotoleranz
Während die Volatilität zunimmt, nimmt die Risikotoleranz der Investoren ab. Bei institutionellen erfolgt dieses aufgrund der erforderlichen Eigenkapitalunterlegung, der stringenteren Regulierung und der schrumpfenden Risikobudgets. Bei den privaten Investoren erfolgt dieses aufgrund der noch frischen Erinnerungen an den Verlusten in den Krisen, sowie aufgrund fehlender finanzieller Spielräume, denn die Altersvorsorge ist wichtiger denn je und wird oft risikoarm angelegt.
Was bedeutet das aktuelle Szenario der Wiedergeburt der Wirtschaft für die Investmentstrategie?
Aufgrund der hohen Volatilität in allen Assetklassen ist eine aus langfristiger Perspektive richtige Investmentpositionierung für die meisten Investoren als „Long-Only“-Strategie nicht sinnvoll. Eine hohe Volatilität würde auf Dauer jede Long-Only-Investmentstrategie, welche die eigene Position absolut mit der Entwicklung des Marktes verbindet, zerstören. Die hohe Volatilität mit großen zwischenzeitlichen Korrekturen würde dazu führen, dass Investoren aufgrund der unzureichenden Risikotoleranz die gewählten Anlagestrategien in Abwärtsphasen nicht durchhalten würden und somit große Verluste anhäufen würden. Die Strategien könnten langfristig richtig sein, in der Zwischenzeit steigt der Investor aus.
Multi-direktional
Neben der Long-Positionierung, stehen dem Investor auch die Möglichkeiten der Short-Positionierung und der optionalen Positionierung zur Verfügung. Investoren, die diese Möglichkeiten nicht nutzen, verbinden ihren Erfolg mit dem Zwang eines steigenden Marktes.
Risikomanagement
In Zeiten hoher Volatilität wird der Erfolg einer Anlagestrategie nicht durch den erwarteten Pfad bestimmt, sondern durch den richtigen Umgang mit Entwicklungen, die von dem erwarteten Pfad abweichen. Die Qualität und der Handlungsspielraum des Risikomanagements sind entscheidend.
Paradigmenwechsel in der Investmentstrategie: Absolut versus relativ
In einer linearen Welt, in der Kursrückgänge und Volatilität die Ausnahme sind, können Long-Strategien, die ihre Entwicklung absolut mit der Entwicklung der Märkte verknüpfen erfolgreich sein. In einer hochvolatilen, nichtlinearen Welt führen Long-Strategien zu Verlusten. Ihre Anlageergebnisse finden lediglich als relative Ergebnisse, im Vergleich zu einer Benchmark, in Kombination mit der Annahme eines anschließenden Marktanstiegs, eine Erklärung.
Multi-direktionale Strategien bilden die Alternative zu Long-Strategien. Anstelle einer absoluten Positionierung mit den Märkten tritt die relative Positionierung zu den Märkten. In der Folge werden die relativen Anlageergebnisse durch absolute Anlageergebnisse ersetzt.
So führt der Wechsel in der Investmentpositionierung, weg von einer absoluten Positionierung, hin zu einer relativen Positionierung, zu einem Wechsel in den Anlageergebnissen, weg von einem relativen Anlageergebnis hin zu einem absoluten Anlageergebnis. Für Investoren ist es nicht die Frage relevant, welche Strategie prinzipiell besser ist. Es ist die Frage, mit welcher Strategie sie die Herausforderungen der aktuellen unruhigen Phase meistern können.
Palingenesis: die ununterbrochene Wiedergeburt der Wirtschaft
Wir befinden uns heute mitten in der nächsten Wiedergeburt unserer Wirtschaft. Wie jede Geburt ist auch diese mit großen Veränderungen und Unsicherheiten verbunden. Die Einsicht, dass es keinen Weg zurück in die Geborgenheit der Vergangenheit gibt, generiert die Offenheit und Bereitschaft, mit passender Flexibilität den neuen Weg in die Zukunft zu gehen.Veränderung muß nicht negativ sein, sie kann auch positiv sein.
Lesen Sie hier, wie wir auf der Basis dieser Investmentphilosophie unsere Anlagestrategie ausrichten.
Das Modell der Palingenesis in der Theoretischen Physik
Paul Steinhardt und Neil Turok entwickelten die Theorie der zyklischen Universen. Nach diesem Modell gibt es nicht einen einzigen Urknall, mit dem das Universum geboren wurde. Stattdessen besteht die Entwicklung des Universums aus Zyklen des Aufblähens und des Zusammenschrumpfens. Jeder Zyklus beginnt mit einem Urknall.
Weitere Informationen zu diesem Modell finden Sie unter anderem auf Wikipedia.
Rufen Sie uns an
Wir freuen uns auf Ihren Anruf.
Montag bis Freitag: 9 bis 22 Uhr![]()
Folgen Sie uns live auf Google+
Mitglied im VuV
Highhedge ist eine Vermögensverwaltung der Privattreuhand. Die Privattreuhand Vermögensverwaltung & Family Office ist ein Unternehmensbereich der Deutschen Wertpapiertreuhand. Die Deutsche Wertpapiertreuhand ist Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter e.V.
